Bei einer Veranstaltung für belgische Greenkeeper hielt Ruud de Deugd einen Vortrag über ein Thema, das seiner Meinung nach viel grundlegender ist, als man auf vielen Golfplätzen wahrnimmt: Sand und Luft. Nicht an der Oberfläche, sondern tief in der Wurzelzone. „Nachhaltige Qualität beginnt unter der Erde“, erklärt er. „Dennoch schauen wir noch zu oft nur auf das, was wir sehen: Geschwindigkeit, Dichte, Gleichmäßigkeit. Aber die wahre Stabilität wird darunter bestimmt.“
TopChanger sorgt für Sandinjektionen mit Wasserdruck
In einem Gespräch mit der Fachzeitschrift Greenkeeper erläutert De Deugd, warum das klassische Pflegemodell an seine Grenzen stößt und warum Sandinjektion mit Wasserdruck seiner Meinung nach zum neuen Standard in der modernen Grünpflege wird. Er kommt direkt auf den Punkt: Wer nachhaltige Spielqualität will, muss unterirdisch arbeiten. „Der Oberboden erhält viel Aufmerksamkeit, und das zu Recht. Topdressing, Hohlstifte, Feststifte, lineare Belüftung. Diese Techniken sind unverzichtbar. Sie lockern organische Substanzen auf, halten die obersten Zentimeter offen und verbessern die Oberflächenstruktur.“ Doch, betont er, viele dieser Methoden konzentrieren sich vor allem auf das, was an der Oberfläche geschieht. „Wir bringen Sand in die oberste Schicht ein, aber viel weniger in die tiefere Wurzelzone. Dabei bestimmen gerade dort die Sauerstoffverfügbarkeit und die Tragfähigkeit, wie stark und stressresistent Gras sein kann.“
Obwohl die bekannten Techniken nach wie vor wertvoll sind, stellt De Deugd fest, dass Greenkeeper immer häufiger an dieselben Grenzen stoßen. „Die Pflege folgt oft einem Zyklus. Verdichtung und organischer Aufbau nehmen zu, Probleme werden sichtbar, dann folgt ein massiver Eingriff. Für kurze Zeit ist das Problem gelöst, aber danach baut es sich wieder auf.“ Die Ursache liegt seiner Meinung nach nicht in mangelnder Fachkompetenz. „Es liegt am System. Viele Eingriffe verursachen Störungen der Oberfläche. Das führt zu Druck seitens der Mitglieder, weniger Spielmöglichkeiten und weniger Zeit für die Regeneration. Dadurch wird die Pflege aufgeschoben, bis die Probleme akut sind. Man arbeitet immer reaktiv.“
Ruud de Deugd
Luft
Hinzu kommt, dass Maßnahmen in vielen Fällen nur vorübergehend für offene Poren sorgen. „Hohlstifte werden nicht immer vollständig gefüllt. Feste Stifte schaffen Platz, bringen aber kein tragfähiges Material ein. Die Furchen von linearen Maschinen schließen sich oft wieder. Man schafft Luft, aber keine dauerhafte Struktur.“ Laut De Deugd ist es unerlässlich, dass Greenkeeper verstärkt auf die Makroporosität achten: die Menge großer, mit Luft gefüllter Poren im Boden. „Unter Spielbelastung und durch organischen Aufbau nimmt diese Makroporosität ab. Dann steigt die Bodendichte und Luft wird zum begrenzenden Faktor.“ Und gerade Luft ist entscheidend für gesunde Wurzeln. „Sauerstoff bewegt sich im Wasser zehntausendmal langsamer als in der Luft. Wenn ein Bodenprofil schnell gesättigt ist und schlecht entwässert, gelangt nicht genügend Sauerstoff zu den Wurzeln. Dann reagieren Pflanzen immer gleich: flachere Bewurzelung, höhere Stressempfindlichkeit, geringere Widerstandsfähigkeit bei Trockenheit und Hitze.“ Er fasst es in einem Satz zusammen: „Was man oben sieht, wird unten bestimmt.“
Sandinjektion mit Wasserdruck
De Deugd betrachtet die Sandinjektion mit Wasserdruck als logischen nächsten Schritt bei der Instandhaltung. „Anstatt vorübergehend Luftkanäle anzulegen, bringt man mit dieser Technik Sand tief in das Profil ein. Wasser wird unter kontrolliertem Druck injiziert. Es bahnt sich seinen Weg durch die vorhandene Porenstruktur. Der mitgeführte Sand wird in dieser Tiefe abgelagert. Wenn der Druck nachlässt, schließt sich der Boden wieder, nun jedoch um Sand statt um Luft.“ Das Ergebnis? Keine einstürzenden Luftkanäle, sondern eine stabile Sandstruktur, die die Makroporosität langfristig stützt. Maschinen wie der TopChanger kombinieren Belüftung mit wasserbasierter Sandinjektion. „Damit kann man Sand aktiv dort integrieren, wo man ihn braucht, und das bei minimaler Störung der Bodenoberfläche“, sagt De Deugd.
Der große Vorteil liegt laut De Deugd in drei Punkten. Erstens gelangt Sand tiefer in das Bodenprofil. Dies stabilisiert die Struktur an den Stellen, an denen die Wurzeln Schwierigkeiten haben, Sauerstoff und Wasser aufzunehmen. Zweitens bleiben Störungen an der Oberfläche begrenzt. „Man kann es öfter durchführen, da die Golfer davon kaum beeinträchtigt werden.“ Schließlich wird präventives Arbeiten realistisch. „Man muss nicht mehr warten, bis etwas schiefgeht.“ Greenkeeper, die mit Kaltjahresgräsern wie Agrostis stolonifera, Poa annua und Festuca-Arten arbeiten, können seiner Meinung nach mit einer tieferen Wurzelbildung rechnen. „Und darin liegt der eigentliche Vorteil. Zwei bis fünf Zentimeter zusätzliche effektive Wurzeltiefe können in warmen oder trockenen Perioden den Unterschied zwischen Stress und Stabilität ausmachen.“ Dies führt zu einem Umdenken: weg von reaktiver Pflege hin zu einer strukturellen Verbesserung der Wurzelzone.
Entwicklung
Obwohl De Deugd betont, dass klassische Belüftung und Topdressing unverzichtbar bleiben, sieht er die Sandinjektion mit Wasserdruck als logische Weiterentwicklung. „Es ist kein Ersatz. Es ist die Weiterentwicklung des Fachs. Genauso wie Präzisionsdüngung und datengesteuerte Bewässerung mittlerweile zur Normalität gehören.“ Die Kernfrage ändert sich damit seiner Meinung nach. „Wir müssen nicht mehr darüber diskutieren, ob wir belüften sollen. Die Frage ist, wie wir die Wurzelzone nachhaltig mit minimaler Störung stabilisieren.“ Er erwartet, dass diese Arbeitsweise innerhalb weniger Jahre zum Standard wird. „Dann blicken wir zurück und fragen uns, warum wir es jemals anders gemacht haben.“
Artikel von Wijnand Meijboom (Greenkeeper NWST)